„Der Corso Leopold lässt München leuchten“ – Ekkehard Pascoe über Geschichte, Geist und Zukunft des Corso Leopold

10. Jun 2025

„Der Corso Leopold lässt München leuchten“ – Ekkehard Pascoe über Geschichte, Geist und Zukunft des Corso Leopold

Beim Empfang im Mai 2025 erinnerte der Mitgründer und Ehrenvorsitzende Ekkehard „Ekke“ Pascoe an die kulturellen Wurzeln des Corso Leopold – mit einer poetischen, klugen und engagierten Rede. Der Corso als „schöner als das Oktoberfest“, das „Friedenstor“ als neues Wahrzeichen und der Geist Schwabings, der weiterlebt. Jetzt nachlesen.

Beim Empfang des Corso Leopold im Mai 2025 hat Ekkehard „Ekke“ Pascoe, Mitgründer und Ehrenvorsitzender des Corso Leopold e.V., eine bewegende Rede gehalten, die den Bogen von den kulturellen Wurzeln Schwabings bis zur Zukunft unseres Straßenfestivals spannte.

Mit seiner typischen Mischung aus Witz, Tiefgang und Engagement erinnerte Pascoe an die literarischen Anfänge des Corso vor der Buchhandlung Lehmkuhl, an große Schwabinger Persönlichkeiten und an das kulturelle Erbe des Viertels. Er schlug die Brücke vom Geist des alten Wahnmoching zur heutigen, vielfältigen Gegenwart und betonte den Corso als Ort des Wandels – aber auch der bleibenden Werte: Kultur, Freiheit, Völkerverständigung.

Wir veröffentlichen seine Rede im Wortlaut – als Hommage an ein Lebenswerk, das uns alle inspiriert:

🗣️ Rede von Ekkehard Pascoe auf dem Corso Leopold Empfang, Mai 2025

Wenn Christian Ude seine obligatorische Begrüßungsrede hier an dieser Stelle hielt, begann er damit, an die Schwabinger Krawalle aus den sechziger Jahren zu erinnern. Vermutlich konnte er sich nicht anders erklären, dass im Herzen Schwabings eine Veranstaltung entstanden war, die ihm wie eine Fortsetzung der Krawalle vorkam.
Sie geschahen da drüben, wo heute das Gasthaus Papa Benz ist – eine Erinnerung an einen sagenhaften Schwabinger, Künstler und Veranstalter.

Der Corso hat sich über Jahrzehnte durch Beschwerden gekämpft. Aber als alter Schwabinger und Herzens-Sponti hat der OB die Veranstaltung immer beschützt. Womöglich lag sie, liegt sie ihm am Herzen.

Hier aber, an dieser Stelle, wo wir jetzt stehen, begann der Corso Leopold im Jahr 2002 als bescheidene Literatur-Bühne. Wir stellten sie vor die Buchhandlung Lehmkuhl, erster Sponsor war der Beck-Verlag.

Heute wie damals versammeln sich hier Schwabinger Künstlerinnen und Künstler. Auf ihnen und um sie herum weht weiter der Geist des alten Wahnmoching – der Schwabinger Traumstadt, ihrer träumenden Bürgermeister und 150 Jahren voller Poesie, die Schwabing zum berühmtesten Stadtteil Münchens gemacht haben.

Danke der unermüdlichen Gitta Rambeck!

Die Gründungsurkunde des Corso Leopold trägt das Zeichen des Siegestors. Und – schon vergessen? – auch das des Walking Man, dem Symbol des Flaneurs, der Schwabing erlebt, bis heute.

Und das Siegestor: je nach Sichtweise, der Anfang oder das Ende Schwabings.

Es war meine letzte Tat als Gründer und Veranstalter: Im Jahr 2022 habe ich das Siegestor für den Corso Leopold eingenommen.
Danke für die Unterstützung an Patric Wolf, unseren BA-Vorsitzenden.
Jetzt ist das Tor ein würdiger Abschluss des Corso.

Aus den Anfängen dieser Literaturbühne ist ein gewaltiges Volksfest gewachsen – schöner als das Oktoberfest und Vorbild für andere Kulturfeste!

Auch wenn heute der Krawall aus bombastischen Lautsprechern kommt, in denen die feinen Töne der Lyrik untergehen – das macht ja nichts.
Dieses Fest wird seine Wurzeln, seinen Kern niemals verleugnen.
Und das ist Schwabing, wie es sich wandelt und wie ich es immer geliebt habe.

Der Corso Leopold lässt München leuchten – wie es Thomas Mann, der hier lebte, sich gewünscht hat.
Der Corso Leopold hat jetzt, da im Süden, das Friedenstor, das ich 2022 so genannt habe.

Liebe Corsaren:
Wollt ihr, dass wir das Friedenstor als unser Wahrzeichen haben, wenn Corso ist?
Wollt ihr das Friedenstor?
Sagt JA – danke.

In diesem Sinne gratuliere ich all denen vielen, die den Corso weiter möglich machen, die im Sinne des Vereins für Völkerverständigung eintreten – und die Feinde der Verfassung ausschließen.

Ich wünsche euch immer gutes Wetter und das Gefühl für den Geist, der hier leuchtet – und lange leuchten möge.

Ekke Pascoe & Andy Keck

Vorstand Andy Keck: "Im Namen des Vorstands und aller Engagierten im Corso Leopold e.V. danke ich Dir, lieber Ekke, von Herzen. Für Deinen Mut, Deine Kreativität und Deine unerschütterliche Leidenschaft für Kultur auf der Straße. Du hast mit dem Corso Leopold ein Stück Stadtkultur geschaffen, das weit über Schwabing hinausstrahlt.Als Dein Nachfolger empfinde ich große Dankbarkeit – und zugleich eine große Verantwortung. Es ist unser aller Aufgabe, diesen besonderen Ort weiter zu gestalten: offen, relevant, vielfältig, nachhaltig.Der Corso Leopold soll auch in Zukunft leuchten – als Ort der Kunst, des Austauschs, der freien Gesellschaft. Und als Einladung an alle, die an eine bessere Stadt glauben. Danke, Ekke. Wir tragen Deinen Geist weiter."

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