Zum 10. Corsojahr am 30.05.2010
Liebe Corsaren,
Historisch ist schwer festzustellen, wie alt der Corso ist. Ich schätze einfach, dass es jetzt 10 Jahre sind, gefühlt beinahe eine Ewigkeit. Es gibt Leute, die sich gar nicht erinnern können, dass es keinen Corso gab. Natürlich auch solche, die sich die alte Leo wieder wünschen. Dass jetzt hier die PS-Boliden die Motore heulen lassen und die Parkplätze so umkämpft wie knapp sind. Doch diese Zeiten sind endgültig vorbei. Heute steht das Fest wie festgemauert auf der Straße. Nie war der Corso so stabil wie in dieser Krise.
Warum ist das so?
Zunächst weiß jeder: Der Klimawandel macht auch vor dieser Stadt nicht Halt. Hier dauert der Winter ewig, Sonne gibt’s demnächst nur noch am Nordpol. Der Münchner hungert nach jedem kurzen Sonnenstrahl. Früher war unser Corso nach einem läppischen Regengüsschen wie leergefegt. Heute, in Zeiten des Dauerregens und der Krise, hat man gelernt positiv zu denken: Corso-Wetter ist, wenn auch mal die Sonne scheint. Dann freut man sich. Es ist deutlich fühlbar, dass heute Corso-Wetter ist. Manche meinen, es sei ein Zauber um dieses Wetter. Die Sonne kommt zum Corso! So denken nur Abergläubische und die Esoteriker unter uns. Es ehrt mich durchaus, dass man sogar mich dafür verantwortlich macht, der ein Freund des Faktischen ist. Vielen Dank für das Vertrauen, es ehrt mich. Stimmt aber nicht.
Denn Tatsache ist: Der Zauber liegt in der Verwandlung einer Straße zum Erlebnisraum. Hier bin ich froh, hier darf ichs sein. Wer sich freut, dem scheint immer die Sonne. Wenn sie dann wirklich scheint, ist man dem siebten Himmel schon so nah. Die Bleichgesichter drängen aus ihren Wohnhöhlen, hinaus in Freie. Es ist starker Hauch von Dankbarkeit und Wohlbefinden in der Luft. Kein Güsschen kann ihn mindern. Die Freude hält sich, denn man weiß: Der Corso dauert länger.
Es regnet, es stürmt, die Pfützen platschen, die Menge strömt. Denn Corso bleibt Corso. Die Künstler streuen ihre Ambrosia über die Häupter der Genießer, für die hartleibigen Kunstverachter erweist sich der Regen gar als Wohltat: Sie finden im Literaturzelt Unterschlupf! Im Nu ist der kurze Ärgerhauch verwandelt, sie sind bezaubert von Harfenklang, Wortgeklingel und Stimmgesäusel. Sie bleiben, sie sind verwandelt.
So machen wir das Wetter selber. In unsren Herzen geht die Sonne auf.
Was macht da die einsame Stimme des Nörglers? Bald will auch er beschienen sein von den Freudenstrahlen der Corso-Sonne! Und auch dem letzten, der das Wort nicht einmal in den Mund nimmt, geht von innen heraus auf, was Kultur ist: Sich zu freuen an anderen Menschen. Gesellschaft als Bereicherung erfahren.
Damit ist der Corso zur festen Einrichtung des städtischen Kulturlebens geworden, die so lange lebendig sein wird wie der Klimawandel dauert.
Dafür danken wir allen Beteiligten, den Sponsoren, dem BA 12, den Organisatoren und den vielen vielen Helfern!
Ekkehard Pascoe
Grußwort des BA 12 Vorsitzenden Werner Lederer-Piloty:
Gleich vorweg, ich hasse Grußworte.
Ich mag sie weder gern abhalten, noch höre ich sie mir im Allgemeinen gerne an.
Irgendwie sind diese kleinen Reden immer gleich, man grüßt nach hier und nach dort, verteilt Lob, man dankt diesen und jenen, freut sich selbst und wünscht viel Spaß den anderen, klopft gedanklich auf viele Schultern und am Ende fällt auch Glanz auf einen selbst ab, denn ohne den unermüdlichen Einsatz des Grußwortgebers wäre alles gar nicht so schön geworden oder hätte vermutlich gar nicht stattfinden können.
Ich gehe heute sogar soweit: Grußworte gehören abgeschafft, von Amts wegen untersagt. Dies würde allen viel Zeit und auch Geld ersparen. Sie, die Zuhörer würden ihre Zeit nicht verplempern sondern etwas Sinnvolleres tun, der Grußwortsprecher müsste nicht am heiligen Sonntag hier stehen.
Das Grußwortverbot wäre auch ein Beitrag zur Konsolidierung des klammen städtischen Haushalts: Der größte Grußwortproduzent, unser OB Christian Ude, beschäftigt vermutlich 20 Grußwortschreiber in seinem 700-Leute-Direktorium, denn tagaus tagein ergießt sich förmlich eine Grußwortflut über die Stadt: Kindergarteneröffnung, Siedlerfeste, Kleingartenjubiläen, Marathonläufe und Operettengala, Stadtteilwochen, Verbandstagungen, Richtfeste, Filmfeste, Bierfeste, Biennale, Triennale und dergleichen vieles, vieles mehr … all das braucht eine umfangreiche Grußwortversorgung.
Gäbe es keine Grußworte – wahrscheinlich würde niemand etwas fehlen – könnten die 20 Leute im Rathaus Vernünftiges arbeiten und unser Oberbürgermeister hätte mehr Zeit fürs Regieren und seine Bücher.
Aber …vielleicht täusche ich mich gewaltig und Grußworte gehören zum unverzichtbaren Kulturgut menschlichen Seins … wer weiß …
Nix für ungut: Ein dickes Kompliment den Corsomachern Ekke Pascoe, Ben David, Ulli Bührlen und dem gesamten Team … jedes Jahr ist`s wieder eine grandiose Leistung, den immer besser werdenden Corso auf die Beine zu stellen.
Werner Lederer-Piloty
Die Planungen laufen bereits auf Hochtouren für den nächsten Corso Leopold am 11./ 12. September.
Einen Überblick über das Kulturprogramm vom 29./30. Mai ist hier online.
11./ 12. September 2010
Ab sofort können sich Künstler, Kunsthandwerker, Literaten, Helfer, Feuerschluker, Performer, Gastronomen und Sponsoren bewerben!
Bewerbung fürs Programm senden an:
Corso Leopold e.V., Kontorhaus 1, Büro 315, Schäftlarnstr. 10, 81371 München
Tel.: 089-518 18 740
Fax: 089-540 34 361
u.buehrlen@corso-leopold.de
Kontakt für Spender:
Ekkehard Pascoe, Corso Leopold e.V., e.pascoe@corso-leopold.de , 089-856 311 41 oder 0177-316 33 17
Spendenkonto:
Corso Leopold e.V.
Stadtsparkasse München Kontonummer: 18 18 23 45
BLZ 701 500 00
Verwendungszweck: Spende Corso Leopold
Sponsoren:
Die_Favoriten Zwei
Lipowskystr. 29
81373 München
www.diefavoriten.com
Marc Prokopp
Tel: 089 - 500 598 - 126
Fax: 089 - 500 598 - 29
marc.prokopp@diefavoriten.com
Gastronomie:
Corinna Thalmaier
Fa-Ro Marketing
Volkartstr. 2c
80634 München
Tel: 089-130 171-0
corinna@fa-ro.de






